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Mitverantwortung und freier Wille


"Ich würde am liebsten mit einem Maschinengewehr 'reinhalten' und alle umbringen" oder: „Wenn ich an die Macht käme, würden Köpfe rollen." So oder ähnlich klingen manchmal Äusserungen von Mitmenschen, wenn es in Diskussionen um das Verhalten des Erdenmenschen im gesamten geht. Das aber ist keine Lösung des Problems. Zwar kann negativ ausgeartete , schöpfungswidrige Gewalt wiederum nur durch die Anwendung logischer Gewalt gebrochen und dadurch Frieden geschaffen werden. Logische Gewalt darf jedoch nur als letztes Mittel Anwendung finden, wenn eine Belehrung im Guten nicht auf fruchtbaren Boden fällt und ein fehlbarer Mensch bzw. eine fehlbare Menschengruppe das negative Verhalten nicht ändert. Ziel muss zuerst immer sein, einen durch selbstsüchtige Motive verblendeten Menschen im Sinne der schöpferischen Gesetze und Gebote zu belehren, damit er aus freiem Willensentschluss sein falsches Tun erkennt und einsieht und seine ihm von der Schöpfung gegebene Energie zu seinem und zum Wohle der Allgemeinheit einsetzt.
Niemals darf man einem Menschen voreilig und selbstherrlich den eigenen Willen aufzwingen oder diesen gar seines Lebens berauben; nimmt man ihm doch dadurch das natürliche Recht - das zugleich eine Pflicht ist -, durch eigenes Erkennen den Sinn seines Daseins zu erfassen und zielgerichtet der geistig-bewusstseinsmässigen Vervollkommnung zu leben. Durch ungerechtfertigtes Verkürzen der Lebensspanne macht sich der Mensch eines Verbrechens gegen die schöpferischen Gesetze und Gebote schuldig. Nimmt man dem Menschen die Chance der Weiterentwicklung im jeweiligen Leben, dann verzögert man damit bewusst oder unbewusst seinen Weg zum Schöpfungs-SEIN sowie damit auch den Weg der Schöpfung selbst zu ihrer Vollkommenheit. Und da in der Schöpfung alles EINS in EINEM ist, schadet der Mensch sich auch unmittelbar selbst und seiner eigenen bewusststeinsmassigen und geistigen Entwicklung.
Zur Anwendung von Gewalt ist der Mensch in eigener Person nur zum Zwecke der Notwehr berechtigt sowie zum Schutze der Erhaltung anderen Lebens, und zwar auch nur dann, wenn alle sonstigen Mittel ausgeschöpft sind.


Man kann dies bedingt vergleichen mit der Erziehung eines Kindes: Zuerst muss versucht werden, das Fehlverhalten des Kindes durch ein neutrales Feststellen zu erfassen, um dieses dann mit Hinweisen auf das richtige Tun zu korrigieren, um dadurch den selbständigen Denk- und Erkenntnisprozess des Kindes zu fördern. Erst wenn dies nichts fruchtet, ist die Überlegung angebracht, nach anderen geeigneten Mitteln zu suchen, die eine Einsicht herbeiführen können. Doch auch dann darf dies niemals böswillig geschehen, sondern immer im Wissen, dass letztlich immer nur das eigene Denken und die bewusst erarbeitete Erkenntnis der schöpferischen Gesetze und Gebote zum Fortschritt des einzelnen und somit des Ganzen führen kann.
Man darf immer nur das falsche Tun eines Menschen bekämpfen, niemals den Menschen selbst. Der Mensch an sich verdient als Teilstück schöpferischen Geistes immer Liebe, auch wenn sein Denken und Handeln nicht zu Gefallen Anlass gibt. Es ist jedes Menschen mitverantwortliche Pflicht, den fehlbaren Nächsten darauf hinzuweisen und ihm zu erklären, dass und warum er falsch gehandelt hat und wie sein Verhalten stattdessen auszusehen hätte.
Nur wer voll bewusst und bösartig gegen die Naturgesetze handelt, der verspielt seine Ehrwürdigkeit und damit das Recht, in Ehrfurcht geachtet zu werden. In einem solchen Fall ist der rechtschaffene Mensch gezwungen, einzugreifen, um anderes und schutzwürdiges Leben zu erhalten bzw. vor einer körperlichen, psychischen oder bewusstseinsmässigen Schädigung zu bewahren.
Mitverantwortung ist also eine Pflicht, die den Einsatz harter Mittel erfordern kann, die jedoch sorgfältig und logisch abgewogen werden müssen. Der freie Wille eines Menschen ist so lange zu achten, als er nicht durch die aus ihm entstehenden Handlungen die Mitmenschen oder einfach die seiner Mitverantwortung unterstellten Mitschöpfungen körperlich oder bewusstseinsmässig schädigt. Zuerst muss immer der Versuch einer Belehrung in Wissen und Liebe erfolgen, ehe logische Gewalt eingesetzt werden darf. Und dann nicht mehr als unbedingt nötig, damit die Mitschöpfungsform möglichst wenig in ihrem freien Willen und in ihrer Evolution gehemmt wird.


(Veröffentlicht in "Stimme der Wassermannzeit" Nr. 103 vom Juni 1997)