Neutralität und Meditation

Neutralität ist das gedanklich-gefühlsmässige Nicht-Beteiligtstein an einer Sache, einem Vorgang oder an jedem sonst denkbaren Ereignis, das aus der Aussenwelt oder aus dem eigenen Inneren in den eigenen Wahrnehmungsbereich gerät. Das besagt, dass einem Ereignis, einem Gedanken oder Gefühl, einer Tat, Handlung oder Gegebenheit unbeteiligt, objektiv und unvoreingenommen gegenübergetreten wird und das Objekt der Wahrnehmung ohne subjektive Wertung wahrgenommen und wirklichkeitsgetreu in seinem Ist-Zustand identifiziert wird. Die Neutralität setzt ein hohes Mass an Objektivität voraus, damit ein Mensch, ein Lebewesen, ein Naturereignis, ein Sachverhalt – oder was es auch immer ist – unabhängig von personenbezogenen Einflüssen, in seiner vorhandenen Wirklichkeit betrachtet, erfasst und erkannt werden kann. Dabei aufkommende, ichbezogene Gedanken und Gefühlsregungen müssen ausser acht gelassen werden. Objektivität kann nur gegeben sein, wenn die ersten – zumeist unbewusst ablaufenden – Reaktionen des Bewertens und Einordnens, des Beurteilens oder Verurteilens eines Menschen oder einer Sache ausgeschaltet werden. Es geht also um die wertfreie Beobachtung, Ergründung und Identifizierung einer jeglichen Sache, die in den Wahrnehmungsbereich eines Menschen gerät, was immer in der Aussenwelt oder im Reich des eigenen Inneren erscheinen mag. Dies erfordert einerseits ein Mindestmass an Klarheit der fünf Sinne, also des Sehens, Hörens, Riechens, Tastens und Schmeckens und andererseits eine Klarheit und neutral-positive Ausgeglichenheit, Ruhe und Aufnahmefähigkeit des Bewusstseins, das in der Reinbeobachtung und klaren Erkennung der Tatsachen der Wirklichkeit geschult ist. Wie aber können wir die Neutralität des Bewusstseins schulen und erhalten?


Geisteslehresymbol NEUTRALITÄT
Geisteslehresymbol ‹Neutralität›


Die beste Schulung in der neutralen Wahrnehmung der Vorgänge im Inneren und Äusseren aller Lebensbereiche ist das Ausüben einer neutralen Meditation. Neutral bedeutet, dass es sich um keine Euphorie- oder Suggestivmeditation handeln darf, in der sich die oder der Meditierende in einen Rausch von Illusionen, Wunschvorstellungen und Einbildungen hineinsteigert, wodurch er oder sie den bezug zur Realität total aus den Augen verliert. Neutrale Meditation bedeutet, dass das Objekt der Meditation schlicht und einfach in seinem So-Sein reinbeobachtet und wahrgenommen wird, und zwar objektiv, gründlich und eingehend, wobei keinerlei Wertungen sowie keine Gedanken und Gefühle der Sympathie oder Abneigung dem Objekt der Wahrnehmung gegenüber erzeugt werden dürfen. Es geht also um das Üben der Reinbeobachtung, aus der sich letztendlich der sogenannte Klarblick entwickelt, der die Dinge der Wirklichkeit so erkennt, wie sie gegeben sind und woraus sich das Erkennen und Ergründen der Wahrheit entwickelt, die die Geisteslehre als ‹Gewissheit in Erkennung der Wirklichkeit› bezeichnet.

Geisteslehresymbol MEDITATION
Geisteslehresymbol ‹Meditation›


Wird die Meditation regelmässig – nach Möglichkeit täglich – geübt, dann profitiert davon ganz naturgegeben auch die Neutralität in der Wahrnehmung, Ergründung und Erkennung aller Dinge im Inneren und Äusseren. Der Mensch wird insgesamt viel ruhiger und ausgeglichener und schafft sich durch die Wirkungen des Reinwahrnehmens und Reinbeobachtens einen gesunden und wohltuenden Abstand zu den Dingen. Dieser Abstand darf nicht mit einer Gleichgültigkeit oder Teilnahmslosigkeit gegenüber dem Leben verwechselt werden. Vielmehr versetzt sich der Mensch durch die wohltuenden Wirkungen der Meditation in die Lage, den Dingen gelassener, objektiver und neutraler gegenüberzutreten, wodurch er einen klareren Überblick über die Zusammenhänge und die wahre Natur der Dinge erlangt. Das erst befähigt ihn zur klaren Folgerichtigkeit und Logik im Denken, das zu seinem persönlichen Werkzeug für das Zustandekommen richtiger Entscheidungen aller Art wird, die von ihm im täglichen Leben immer wieder abgefordert werden. 
Eine gesunde Neutralität wirkt sich im täglichen Leben wohltuend auf die zwischenmenschlichen Beziehungen aus, so zum Beispiel in der Partnerschaft, in der Familie oder im Verhältnis zu Freunden und Arbeitskollegen. Durch erlernte Neutralität versetzt sich der Mensch in die Lage, die Menschen und Dinge immer wieder wie neu zu sehen und neu zu entdecken, weil das geschulte Reinbeobachten die neutrale Wahrnehmung fördert und der frische und unvoreingenommene Blick auf einen Menschen Einzelheiten und Gegebenheiten erkennen lässt, die bisher der Aufmerksamkeit des Betrachters entgangen sind. Das Reinbeobachten der Umwelt und der in der eigenen Psyche ausgelösten Regungen verhindert das Aufbauen von realitätsfremden Erwartungen, Vorstellungen und Hoffnungen, die zum Scheitern verurteilt sind, weil sie von einem falschen Bild der Wirklichkeit ausgehen bzw. die Wirklichkeit verzerren und in einen selbsterzeugten Nebel hüllen. Neutralität und Zurückhaltung verhindern das allzu schnelle Einmischen in fremde Angelegenheiten, die ansonsten aufgrund einer anerzogenen oder religiös bedingten Anmassung oder aufgrund von Selbstüberschätzung, Rechthaberei usw. betrieben wird und viel Unheil stiftet, was sehr schnell zu Streit, Hader, Kampf und letztendlich zu Krieg, Mord und Totschlag führt.

Die Neutralität ist gleichzeitig ein wirksamer Schutz gegen das gedanklich-gefühlsmässige und emotionale Festhalten an Vorstellungen, Erwartungen und Projektionen, durch die Dinge erwartet und erhofft werden, die schlicht und einfach wirklichkeitsfremd sind und wodurch sich der Mensch selbst in seiner inneren Freiheit einengt und in einem Käfig der Illusionen und Zwangsvorstellungen gefangen hält. Durch das Üben der Reinbeobachtung und das Reifen der Neutralität beobachtet der Mensch die Vorgänge des Lebens wie von einer luftigen Anhöhe, die er bestiegen hat und von der aus er die Dinge wie aus der Ferne und mit einem klaren Überblick beobachtet und betrachtet. Er gewinnt also einen gesunden Abstand von allem, und sein Bewusstsein kann sozusagen frei durchatmen, was ihn dazu befähigt, den wahren Wert und inneren Gehalt einer Sache zu ergründen, seine Schlüsse daraus zu ziehen und aus dem Erkennen des Ganzen heraus das in der jeweiligen Situation Angebrachte und Richtige zu tun.
Nehmen wir uns dabei ein Beispiel an der Schöpfung-Universalbewusstsein: Sie ist in ihrem Selbst völlig neutral, weil sie nicht denkt und keine Gefühle hat. Sie ‹funktioniert› quasi wie ein Roboter streng nach Logik und Folgerichtigkeit, d.h. nach ihren Gesetzen, die den Vorgaben aus dem SEIN-Absolutum entsprechen und mischt sich niemals in die Belange ihrer Kreationen ein. Ihre Gesetze gelten auch für uns Menschen, wie z.B. nach dem Tod des Menschen, wenn der Gesamtbewusstseinblock das Bewusstsein auflöst und in völlig neutrale Energie umwandelt, aus der dann ein neues Bewusstsein für die Folgepersönlichkeit der Geistformlinie gebildet wird. Auch hier herrscht völlige Neutralität, damit ein neutrales, unbelastetes und frisches Leben ohne jegliche Vorbelastungen beginnen kann.

Zitat aus ‹Meditation aus klarer Sicht› von Billy, Seite 160/161:

In der Meditation ist es sehr wichtig, ruhig und still zu werden, ins eigene Innere zu gehen, jedoch trotzdem die Gepräge des Äusseren zu erkennen, um zu erfassen, zu erfahren und zu verstehen, wie immens gross ihr Beitrag ist, durch den das eigene Innere verändert werden kann. Das zu erfassen, zu erfahren und zu verstehen durch die meditative Aufmerksamkeit und meditative Wahrnehmung, wird aber nur möglich durch die innere Ruhe und Stille.
Wird die konzentrative Meditation betrachtet, bei der die meditative Aufmerksamkeit und neutrale Wahrnehmung auf einen einzelnen Bewusstseinsinhalt resp. auf ein einzelnes Meditationsobjekt ausgerichtet ist, dann ist zu erkennen, dass allmählich die tieferliegenden bewusstseinsmässigen Schichten abgetragen werden, bis nur noch die Wirklichkeit des reinen Bewusstsein übrigbleibt.

- Zitat Ende -

Erst die Neutralität, die Objektivität und Unvoreingenommenheit ermöglichen den klaren Blick auf die Wirklichkeit der Dinge und bereiten somit dem folgerichtigen Handeln den Weg. Dieser Weg ist das Erkennen und Befolgen der schöpferisch-natürlichen Gesetze und Gebote in allen Lebensbereichen. Durch eine ausgeglichene, gesunde Neutralität – erschaffen und gepflegt durch die tägliche Meditation – schaffen wir uns somit die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben.

Abschliessend ein Spruch von Billy aus dem Buch ‹Zur Besinnung›:


Will der Mensch die
Wahrheit kennen in
bezug auf sich selbst,
dann muss er zuerst
sein wahres Wesen
ergründen.

SSSC, Montag, 13. Juni 2011, 13.59h, Billy