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Toleranz üben und Vorurteile abbauen

Fast jeder von uns hat schon einmal einen anderen Menschen nach dem ersten Eindruck oder aufgrund einer falschen Vorstellung beurteilt. Wir erstellen uns also ein Bild von einem Mitmenschen, das nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Es sind Vorurteile vorhanden, die uns dazu verleiten, falsch oder ungerecht über einen nur flüchtig oder gar nicht bekannten Menschen zu urteilen, den man vielleicht zum ersten Mal sieht oder von dem man sogar nur von dritter Seite gehört hat, ohne ihn selbst kennengelernt zu haben. Man übernimmt vielleicht nur die (Fehl-)Einschätzung eines anderen Menschen, die nur dessen subjektiver Einschätzung entspricht. Der Fehler beginnt also damit, dass man einen Menschen beurteilt, ohne ihn neutral in seinem Sein wahrzunehmen, wodurch der neutrale Blick auf seine Charakterzüge, Eigenheiten, Werte und Unwerte versperrt wird. Stattdessen beurteilt man einen Menschen nach einem selbst entworfenen oder übernommenen Bild, dessen Wert oder Unwert höchst fraglich ist. Im Grunde genommen haben wir kein Recht, über einen Menschen vorschnell zu urteilen, der zum ersten Mal in unser Leben tritt und den wir nicht wirklich kennen.
Anstatt dem falschen Reflex des Beurteilens und Verurteilens zu folgen, sollten wir uns auch bei den alltäglichen Begegnungen mit anderen Menschen zuerst einmal im Reinbeobachten üben, wodurch wir vorschnelle Werturteile zu vermeiden lernen. Wir wollen doch auch selbst als Menschen mit allen unseren Schwächen, Stärken, Angewohnheiten, Macken, Problemen, guten und schlechten Seiten so angenommen werden, wie wir sind. Dasselbe Recht auf persönliche Unantastbarkeit und eine unvoreingenommene Wahrnehmung sollten wir allen anderen Menschen ebenfalls zubilligen. Um als eine Einheit und Gemeinschaft zusammenleben und evolutionieren zu können, müssen wir alle unsere Mitmenschen als gleichwertig zu uns selbst annehmen und uns in unserer Evolution zum wahren Menschsein gegenseitig behilflich sein. Vorurteile und Kritiksucht sind hierbei nicht hilfreich; dahinter versteckt sich möglicherweise der Drang des Besserseinwollens in uns, den wir gründlich überdenken und ausschalten sollten.

Die Anerkennung der Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Mitmenschen erfordert ein gesundes Mass an Bescheidenheit. Wie in allen Dingen muss auch die Evolution zum wahren Menschsein bei einem selbst beginnen. Wir sollten alles Leben als absolut gleichwertig anerkennen und ehrwürdigen. Jede Art von Wichtigtuerei um die eigene Person sollte darin keinen Platz haben. Darin eingeschlossen sollte auch die Erkenntnis sein, dass jeder Mensch in völliger Freiheit eine Religion ausüben und einem Glauben anhängen darf, wie er es für richtig hält, solange er damit nicht anderen Menschen schadet. Dass Religionen und ihre Lehren wirklichkeitsfremd sind und nicht dem menschlichen Fortschritt dienen, das steht dabei auf einem anderen Blatt und berechtigt uns in keiner Weise dazu, einen Menschen aufgrund seiner religiösen oder weltanschaulichen Vorstellungen anzugreifen, solange er resp. sie sich als Mensch einwandfrei verhält. Aus intoleranten Gedanken, Worten und Taten gegenüber gläubigen Menschen kann durch einen Schneeballeffekt letztendlich sogar ein „Krieg der Religionen und Kulturen“ entstehen. Leider geben viele Menschen darin ein schlechtes Vorbild ab, wenn sie beispielsweise aufgrund des islamistischen Terrorismus alle Muslima und Muslime als Terroristen verdächtigen und sie in verwerflicher Weise mit den wenigen Ausgearteten in einen Topf werfen, die die Religion als Vorwand missbrauchen, um Tod und Verderben unter den Menschen zu verbreiten. Wir sollten uns alle in wahrer Toleranz üben und jede Art von unbedachter Meinungsäusserung unterlassen, die dazu führen könnte, dass Menschen gegeneinander aufgehetzt werden, wonach sie möglicherweise dem Wahn verfallen, sich durch unterschiedliche Weltanschauungen in ihrer Wertigkeit voneinander zu unterscheiden. Ein verantwortungsbewusster und gewissenhafter Mensch wird davon die Finger lassen und in Gedanken, Worten und Taten stets für die Anerkennung aller Menschen in völliger Gleichwertigkeit einstehen. Ein Mensch darf niemals in seinem Menschsein angegriffen oder beleidigt werden, denn in seinem Innersten ist er Träger einer schöpferischen Geistform, die ihn mit allen Menschen verbindet und die ihm das Leben und Evolutionieren erst ermöglicht. Lästern wir über einen Menschen, dann lästern wir auch der Schöpfung und unserem eigenen Innersten, womit wir uns selbst einen bewusstseinsmässigen Schaden zufügen, den wir mühsam wieder beheben müssen. Erlaubt sein darf nur eine angemessene und sachliche Kritik an den charakterlichen und bewusstseinsmässigen Fehlern eines Menschen; der Mensch als Mensch muss stets geachtet und gewürdigt werden.
Es ist erstrebenswert für uns alle, nicht zu sehr auf die Fehler anderer Menschen zu achten, sondern das Augenmerk auf die eigenen Fehler zu richten, um diese nach und nach zu erkennen und zu beheben. Durch unseren freien Willen und die Möglichkeit uns zu verbessern haben wir die Macht, uns selbst und die Welt um uns herum in Liebe, Frieden, Freiheit und Harmonie zu gestalten.

(Veröffentlicht in FLD-aktuell, Ausgabe 6, August 2013)